Swissmem ist vom Vorgehen des US-Präsidenten schwer enttäuscht. Die Erhebung von Zöllen in der Höhe von 32 Prozent ist völlig unverständlich und arbiträr, gerade weil die Schweiz ihrerseits sämtliche Industriezölle 2024 aufgehoben hatte. Die neuen Zölle sind ein schwerer Schlag für die Unternehmen der Schweizer Tech-Industrie in einer schwierigen Lage nach vielen Monaten mit rückläufigem Umsatz.
Gemäss einer ersten Analyse werden alle nicht bereits mit Zöllen von 25 Prozent auf Alu- und Stahlprodukte belastete Produkte der Schweizer Tech-Industrie mit einem Zoll von 32 Prozent belastet; für Automobilzulieferer gelten 25%. Erschwerend kommt hinzu, dass auf die Exporte der EU «nur» ein Zoll von 20 Prozent erhoben wird. Die Tech-Industrie verliert also auf dem US-Markt auch gegenüber ihren Konkurrenten aus der EU relativ an Wettbewerbsfähigkeit. Swissmem rechnet deshalb damit, dass sich die Güterausfuhren der Tech-Industrie in die USA massiv reduzieren werden. Besonders hart betroffen sind KMU, die nicht in den USA produzieren. Ihnen droht dieser Markt wegzubrechen – es sei denn, sie verfügen über unverzichtbare Produkte. Somit müssen sich die Schweizer Unternehmen mit ihrer Strategie, sich mit High-Tech Produkten auf eine Nische zu fokussieren, nun noch mehr bewähren.
85 Prozent der Exporte gehen in andere Länder
Die USA sind für die Schweizer Tech-Industrie der zweitgrösste Absatzmarkt nach der EU mit 55%. Die Exporte in die USA betrugen im vergangenen Jahr 10,1 Milliarden Schweizer Franken, was ein Exportanteil von knapp 15 Prozent bedeutet. Dabei darf allerdings nicht vergessen gehen, dass 85 Prozent der Güterausfuhren in andere Märkte gehen. Es gilt nun auf Ebene der Unternehmen sowie der Politik entschlossen, aber mit kühlem Kopf, vorzugehen.
Auf Stufe Unternehmen werden unter diesen Umständen die übrigen Märkte nun noch wichtiger. Im Vordergrund steht vor allem der Hauptmarkt EU mit, aber vor allem auch aufstrebende Märkte wie Indien, Südamerika, Südostasien und China. Zudem gewinnt die Investitionen in Innovationen eine noch höhere Bedeutung. Nur mit besseren Produkten und höherer Effizienz können die Unternehmen an Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen.
Swissmem berät seine Mitgliedfirmen bereits seit Wochen mit Informations-Webinaren und Abklärungsarbeiten zu konkreten Zoll-Fragen intensiv und wird die Unterstützungsleistungen weiter ausbauen.
Auf politischer Ebene entschlossen handeln: aussen- und innenpolitisch!
Auf politischer Ebene muss nun der Bundesrat persönlich und mit höchster Dringlichkeit das Gespräch mit den relevanten Kreisen der US-Regierung suchen und die offene Handelspolitik und Vorteile der Schweiz erklären. Ziel muss sein, die Zölle abzuwenden oder zumindest abzuschwächen. Zudem muss der Bund den Zugang zu den übrigen Märkten beschleunigt erleichtern. Konkret muss das Freihandelsabkommen mit Indien nach Ablauf der Referendumsfrist so schnell wie möglich in Kraft gesetzt werden. Hohe Dringlichkeit hat auch der Abschluss des Freihandelsabkommen mit dem Mercosur sowie die Erweiterung des Abkommens mit China. Und nicht zuletzt gewinnen die Bilateralen III noch mehr an Bedeutung. Das Verhältnis zu unserem mit Abstand wichtigsten Handelspartner muss rasch geregelt werden. Die Bilateralen III sind der Weg dahin.
Die grösste Handlungsfreiheit besteht in der Innenpolitik. Zur Unterstützung der Industrie muss der Handelskrieg als Begründung für Kurzarbeit anerkannt und die Höchstbezugsdauer so rasch als möglich auf 24 Monate ausgedehnt werden. Zudem erwartet Swissmem, dass sich alle Branchen und Parteien uneingeschränkt hinter die Freihandelsstrategie des Bundes stellen. Im Weiteren gilt es die Unternehmen von unnötigen Regulierungen oder finanziellen Belastungen zu befreien. Die gestern verabschiedete Verordnung des CO2-Gesetzes, welche der Industrie zusätzliche Fesseln aufbürdet, ist nur ein Beispiel eines klar falschen Wegs.
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